Obwohl das Wort „Ästhetik“ dem griechischen „aisthetike episteme“ nachgebildet ist und wörtlich „Wissenschaft von der aisthesis“, d.h. Wissenschaft des Sinnes, des Empfindens heißt, beschäftigt sich die Ästhetik seit ihrer Etablierung als philosophischer Disziplin im 18. Jahrhundert nicht allgemein mit der sinnlichen Wahrnehmung, sondern mit Erfahrungsweisen, die in den Bereich der Kunst und des Schönen führen. Hegel kritisiert an dieser Namensgebung zu Recht, das sie auf eine Epoche zurückgeht, in der man „Kunstwerke mit Rücksicht auf die Empfindungen betrachtete, welche sie hervorbringen sollten“. Für die Antike und das Mittelalter waren das Schöne und die Kunst keine ästhetischen Phänomene. Hegel schlägt vor, es bei dem Namen zu belassen, sich aber ansonsten bewusst zu sein, dass man es in der „Philosophischen Ästhetik“ mit einer Überschneidung mehrerer Fragestellungen zu tun hat, den Fragestellungen (I.) einer Ontologie des Schönen, das uns innerhalb wie außerhalb der Kunst begegnet, (II.) einer Philosophie der Kunst und der nicht nur schönen Künste, (III.) einer Theorie von Erfahrungsweisen, die man mit Werken der Kunst, aber nicht ausschließlich mit diesen, machen kann.
Die Vorlesung legt ihren Schwerpunkt im ersten (kürzeren) Teil auf die klassische Fragestellung einer Ontologie des Schönen, im zweiten (ausführlicheren) auf die Theorien Kants und Hegels und ihren Nachfolgern in der heutigen Debatte.