Die Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts wäre ohne die bahnbrechenden Leistungen einiger Logiker (Frege, Russell, Wittgenstein) nicht möglich gewesen. In der Vorlesung wird es darum gehen, auf der Grundlage elementarer Logikkenntnisse der Frage nach Sinn und Bedeutung sprachlicher Termini (Sätze, singuläre und generelle Termini) nachzugehen. Die Formulierung einer Theorie der sprachlichen Bedeutung wurde lange Zeit als Hauptaufgabe der analytischen Philosophie angesehen, - ein sprachfreies Denken wurde ins Reich der Fabel verwiesen. Unter dem Einfluss der modernen Kognitionswissenschaft hat sich zwar der Begriff des Inhalts (content) vom Begriff der sprachlichen Bedeutung abgelöst, aber auch eine Theorie des Inhalts (mental content) verwendet Prinzipien, die in der Sprachanalyse des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden.
Die Wende zur Sprache (linguistic turn) war keine Episode, die auf die analytische Richtung beschränkt blieb. Die hermeneutische Variante der Sprachphilosophie (Heidegger, Gadamer, Ricoeur) rückt indessen nicht Termini bzw. Sätze, vielmehr ganze Texte, Sprachen und die in Sprachen verkörperten Weltbilder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Den Gedanken der Sinntotalität modifizierend hat die hermeneutische Sprachphilosophie neben der Texthermeneutik und der historischen Hermeneutik auch eine ontologische Hermeneutik bzw. Hermeneutik der menschlichen Existenz ausgebildet, die in vielfacher Weise die Anthropologie und Theologie des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat.