Die klassische Antike bildet den sozialen, politischen, religiös-kulturellen und nicht zuletzt auch intellektuellen Hintergrund, vor dem sich die christliche Botschaft ausbreitet. Dieser spezifische Kontext bestimmt in loyaler Anpassung an und in kritischer Absetzung von der paganen Antike die Entstehung einer christlichen Theologie und die institutionelle Ausgestaltung der Kirche. In den ersten sechs Jahrhunderten wurden viele der bis heute relevanten und geltenden Inhalte und Formen des Christentums grundgelegt: Der ntl. Kanon, die Glaubensbekenntnisse, die Ämterstruktur und die Grundgestalt des christlichen Gottesdienstes.
Anhand ausgewählter Schwerpunkte behandelt die Vorlesung diese Transformationsprozesse in der antiken Welt und analysiert Eckpunkte der altkirchlichen Entwicklung – angefangen von der apostolischen Missionspredigt über die theologische Lehrentwicklung bei den altkirchlichen Konzilien bis zur Ausgestaltung einer spätantiken Reichskirche. Die Vorlesung vermittelt kirchen- und theologiegeschichtliche Grundlagenkenntnisse und zeigt Chancen und Grenzen einer Inkulturation des Christlichen auf. Sie leistet einen Beitrag, das geschichtlich Bedingte der maßgeblichen Anfänge angemessener zu verstehen und einen verantwortlichen Transfer für die aktuellen Herausforderungen von Theologie und Kirche zu initiieren.

Die Kenntnis der wichtigsten Phasen und Entwicklungen der deutschen Kirchengeschichte vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart im Zeitraum von ca.500-bis ca.2000 ist eine Grundvoraussetzung für die historischen als auch für die benachbarten Fachgebiete der Theologie. Die 15 Vorlesungseinheiten werden sich jeweils auf ein zusammenhängendes Thema der jeweiligen Epoche konzentrieren. Für den Bereich der frühmittelalterlichen Kirchengeschichte spielt die Christianisierung Europas vom 5. bis zum 9. Jahrhundert unter den Merowingern und den Karolingern in ihren verschiedenen Ausprägungsformen die entscheidende Rolle (christliche Missionstätigkeit, frühes Mönchtum, Eigenkirchenwesen, kirchliche Ämter). Die Entwicklungen unter den deutschen Herrschergeschlechtern des Hochmittelalters des 10. bis 13. Jahrhunderts, Ottonen, Salier und Stauffer, werden hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Papst und Kaiser und den geistigen und weltlichen Bewegungen behandelt (Reich und Kirche, kirchliche Reform- und Armutsbewegungen, Kreuzzüge). Die Katholische Kirche im Spätmittelalter vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wird eingehend diskutiert (Abendländisches Schisma, Reformkonzilien). Das Zeitalter der Reformation und der Glaubenskriege wird im Jubiläumsjahr die entsprechende Betrachtung finden (Reformation, Gegenreformation, Dreißigjähriger Krieg). Für den Bereich der neueren Kirchengeschichte werden auch die Entwicklungen im 18. und 19. Jahrhundert bearbeitet (Aufklärung, Säkularisation, katholische Sozialbewegung, politischer Katholizismus, katholische Presse). Den Abschluss der Vorlesung werden die wichtigsten kirchengeschichtlichen Entwicklungen im 20. Jahrhundert bilden (Katholische Kirche im wilhelminischen Kaiserreich 1871-1918, Weimarer Republik 1918-1933, Drittes Reich 1933-1945, Nachkriegszeit und Teilung Deutschlands 1945-1989). Eine Betrachtung der gegenwärtigen kirchengeschichtlichen Situation setzt den Endpunkt gegenwärtig erfahrbarer Kirchengeschichte. Für die Kommissionsprüfung zusammen mit der Alten Kirchengeschichte sind neben den bereitgestellten Skripten und Präsentationen zu jeder Vorlesungseinheit auch immer die entsprechenden themenbezogenen Diskussionsbeiträge und zusätzlichen mündlichen Ausführungen v.a. zu den historischen Quellen zu lernen.

Das Proseminar für die Studienanfänger stellt die verschiedenen wissenschaftlichen Methoden der Kirchengeschichte in den Mittelpunkt. Dafür ist zunächst die Einführung in die grundlegende Bedeutung und Begrifflichkeit von historisch erfahrbarer Kirchengeschichte im christlichen Kontext bedeutungsvoll. Anschließend ist eine tiefere Quellenkunde der jeweiligen kirchenhistorischen Epochen von der Antike bis zur Gegenwart für das Verständnis der kirchenhistorischen Entwicklungslinien eine wichtige Voraussetzung. Anhand der unterschiedlichen Historischen Hilfswissenschaften werden die grundlegenden wissenschaftlichen Techniken behandelt, mit denen ein Zugang zu den Quellen für das kirchenhistorische Wissen ermöglicht wird. Die historische Bedeutung von den historischen Einrichtungen Archiv, Bibliothek und Museum und die gegenwärtige Situation der deutschen Kirchenhistoriographie stellt einen abschließenden Beitrag zum Proseminar. Anhand von entsprechenden Quellen aus allen Epochen der Kirchengeschichte werden die Methoden im Proseminar angewandt und kirchenhistorisches Wissen vermittelt.

Die ‚Bekenntnisse‘ des Augustinus, in deren ersten neun Büchern der Bischof von Hippo auf die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens zurückblickt, werden bis heute gern als ‚Autobiographie‘ bezeichnet. In der aktuellen Augustinus-Forschung sind allerdings erhebliche Zweifel an einem solchen Verständnis geäußert worden – nicht zuletzt, weil die Selbst-Darstellung des Augustinus in den ‚Confessiones‘ in einigen Punkten nicht mit Aussagen seiner frühesten Schriften vereinbar ist. Nach neueren Interpretationen lassen die ‚Confessiones‘ sich statt als Autobiographie als Protreptikos (Werbeschrift) verstehen (Erich Feldmann) sowie als Versuch des Augustinus, kritischen Anfragen hinsichtlich seiner Vergangenheit den Wind aus den Segeln zu nehmen (Volker Henning Drecoll), oder als theologisches Werk, in dem Augustinus anhand einer stark stilisierten Beschreibung seines eigenen Lebens den Abfall des Menschen von Gott und seine durch Gottes Gnade ermöglichte Rückkehr zu Gott darstellt (James J. Oʼ Donnell; vgl. bereits Henry Chadwick).

Diese Vorlesung findet statt im Kontext des Moduls 10 Ekklesiologie. Thema der Vorlesung ist ein Überblick über die institutionelle, religiöse und intellektuelle Selbstwerdung der Kirche im Mittelalter. Die Abgrenzung zwischen Herrschaft und Kirche ist ständige Herausforderung in dem  Zeitraum vom 10. bis zum 15. Jahrhundert. Diese Vorlesung gliedert sich in drei Abschnitte: "Die Kirche in der Welt", "Innerkirchliche Verhältnisbestimmungen" und "Theologische Konzeptionen von der Kirche". Weithin exemplarisch arbeitend, sollen verschiedene Konzeptionen von Kirche in dieser Zeit vorgestellt werden.

Die Vorlesung umfasst die grundlegenden Entwicklungslinien mit den wichtigsten gesellschaftspolitischen und theologiegeschichtlichen Ereignissen der Kirchengeschichte vom Frühmittelalter bis zur neuesten Zeit (ca.500-ca.2000). Jede der insgesamt zehn Vorlesungseinheiten konzentriert sich auf ein kompaktes Thema der jeweiligen Epoche. Die Christianisierung Europas im Früh- und Hochmittelalter vom 5. bis zum 9. Jahrhundert wird im Kontext der kirchenpolitischen Ereignisse unter den Merowingern und den Karolingern vorgestellt, zusammen mit den verschiedenen Ausprägungsformen des Lebens der Christen in Europa (Missionstätigkeit und frühes Mönchtum, das Entstehen kirchlicher Strukturen). Die Genese der Kirchengeschichte unter den großen Herrschergeschlechtern der Ottonen, Salier und Stauffer vom 10. bis ins 13. Jahrhundert wird im Kontext des Verhältnisses zwischen Papst und Kaiser sowie den geistigen und weltlichen Bewegungen der (hoch-) mittelalterlichen Kirche in den Blick genommen (das Reichskirchensystem, die kirchlichen Reform- und Armutsbewegungen, die Papstkonzilien, die Kreuzzüge). Die bedeutenden Ereignisse der Katholischen Kirche des Spätmittelalters vom 13. bis zum 15. Jahrhundert (das Abendländische Schisma, die Reformkonzilien) werden tiefer diskutiert. Der Reformation und ihre Auswirkungen im Zeitalter der Konfessionen im 16. und 17. Jahrhundert (die Durchsetzung der Reformation, die Gegenreformation, der Dreißigjährige Krieg) wird aufgrund des aktuellen Reformations-Jubiläumsjahres 2017 eine breitere Analyse zuteil, ebenso ausreichend betrachtet werden die Grundthemen der Kirchengeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts (das Zeitalter der Aufklärung, die Säkularisation, das 1. Vatikanum). Für die neueste Zeit sind die wichtigsten kirchengeschichtlichen Entwicklungen im 20. Jahrhundert zu analysieren: die Kirche im Zweiten Deutschen Kaiserreich 1871-1918, die Weimarer Zeit 1918-1933, das Dritte Reich 1933-1945, die Nachkriegszeit und die Teilung Deutschlands 1945-1989. Die Betrachtung der gegenwärtigen kirchengeschichtlichen Situation (bis zum Pontifikat Benedikts XVI., die voranschreitende Entchristianisierung Deutschlands und Europas) bildet den Endpunkt gegenwärtig erfahrbarer Kirchengeschichte. Abschließend soll in der letzten Vorlesungseinheit die heutige institutionelle Verfasstheit der Kirchengeschichte im Jurisdiktionsgebiet der Deutschen Bischofskonferenz (an Universitäten, Bistümern, Forschungsinstituten, Archive und Bibliotheken) vorgestellt werden. Die Vorlesung wird auch tiefere Kenntnisse über die wichtigsten historischen Quellen des Christentums vermitteln, aus denen sich unser Wissen über die Kirchengeschichte bis heute begründen lässt.

Diese Überblicksvorlesung will in die Geschichte der Kirche einführen, die seit ihrer Gründung kontinuierlich die eine Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments auslegt. Diese Geschichte der kirchlichen Bibelauslegung rückt infolge der vielfältigen Forschungen der vergangenen Jahrzehnte mehr und mehr in das Zentrum der Historischen Theologie, denn die Geschichte der Kirche und des Christentums in Europa sind zu einem nicht unmaßgeblichen Teil unter der genannten Rücksicht zu verstehen. Dabei kommt die Geschichte des Bibeltextes ebenso zur Sprache wie die Rezeption im Rahmen der unterschiedlichen Lebensordnungen, die sich in der Kirche entwickelt haben. Insbesondere jedoch werden die Methoden der Exegese vorgestellt, so daß in der Zusammenschau mit den jeweils zeitgenössischen theologisch-politischen Herausforderungen an die Kirche (Liturgie, Institutionen und Recht der Kirche) und die Christen (theologische Argumentation, geistliche Lesung) die Auslegung einer biblischen Passage verständlich wird.

Die Einschreibungen zu dieser Lehrveranstaltung erfolgt unter der Fächergruppe "Dogmatik" . Dort werden auch alle Arbeitsmaterialien zu dieser Lehrveranstaltung eingestellt.

In diesem Proseminar (Modul P 1) lesen wir das wissenstheoretische Handbuch des Mittelalters, das mehr als 300 Jahre lang als Grundlage des akademischen Unterrichts im Fach Philosophie gedient hat. Das Didascalicon Hugos von Sankt Viktor, zu dt. "Studienbuch", lesen wir kapitelweise. Dabei suchen wir den Gedankengang des Autors zu verstehen, seinen Umgang mit den Quellen wahrzunehmen sowie seinen genuinen Gedanken zu formulieren.