Athanasius von Alexandrien berichtet im Brief an Marcellinus (PG 27,12ff) ein Wüstenvater habe einst zu ihm gesagt: „Ja, in den übrigen Büchern der hl. Schrift, hörst du nur das Gesetz, das anordnet, was du tun sollst und was du nicht tun darfst. Du vernimmst die Prophezeiungen, so dass du lediglich weißt, dass der Heiland kommen wird. … Wer dagegen den Psalter liest, erfährt nicht nur diese Dinge; er lernt in ihm außerdem noch die Regungen seiner eigenen Seele kennen und bekommt über sie Aufschluss. … So wird ein jeder die Erfahrung machen, dass diese göttlichen Gesänge für uns und die Regungen und Befindlichkeiten unserer Seele wie geschaffen sind“. Oder kürzer Rainer Maria Rilke: "... habe schließlich die Psalmen gelesen, eines der wenigen Bücher, in denen man sich restlos unterbringt".

Der Psalter ist das hauptsächliche Meditationsbuch Israels und das wichtigste Gebetbuch der Kirche. Kein Buch wird häufiger im NT zitiert. Es war Jesu Lieblingsbuch.

Ziel der Veranstaltung ist es, durch Übungen (Hausaufgaben) und interaktiven Unterricht Psalterexegese und Psalmenexegese zu verbinden, d.h. die einzelnen Gedichte im Detail zu analysieren und zugleich eine Idee von dem Drama zu bekommen, das sich im Gesamtbuch zwischen Ps 1 und Ps 150 abspielt.

Die Veranstaltung ist ein einstündiger Bestandteil des Moduls 11, wird aber ein halbes Semester lang doppelstündig durchgeführt. Es werden wöchentlich Übungsaufgaben gestellt.

Aus diesen Übungen ergibt sich wesentlich der Leistungsnachweis. Mit dem Übungscharakter verbunden ist offensichtlich eine Anwesenheitspflicht, wie sie sonst nur bei Seminaren gilt.

Das Hohelied hat in der Antike die Rabbinen ebenso fasziniert wie die Kirchenväter. Im hohen Mittelalter gibt es eindrucksvolle Kommentare zu dieser biblischen Schrift. Mystiker und Mystikerinnen aller Zeiten leihen sich ihre Worte beim Hohenlied. Bis heute fesselt diese Sammlung lyrischer Liebeslieder die Leser durch ihre Bilder voller Sinnlichkeit und Erotik.
In der Vorlesung steht die literaturwissenschaftliche Analyse dieser hebräischen Liebeslyrik im Vordergrund sowie die Frage nach der Emotionalität des Textes. Dabei soll zugleich den religiösen Sinndimensionen des Hoheliedes nachgegangen werden. 

Was ist Glück? Kann Leben als cursus ad mortem überhaupt glücken? Wenn ja, wie ist das Glück zu finden in all dem Unglück und Missglücken? Der Philosoph Kohelet geht der Frage in Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen hellenistischen Philosophie nach und gibt eine genuin israelitische Antwort. Der Kirchenvater Hieronymus (Koheletkommentar = Commentarius in Ecclesiasten, CCL 72, I 1) sieht in den drei salomonischen Büchern des hebräischen Kanons (Spr, Koh, Hld) einen Parallel- oder gar Gegenentwurf zum hellenistischen Bildungsprogramm: Griechische Philosophie lehrt zuerst Ethik (wie man leben soll), dann Physik (wie die Welt ist), dann Theologie (Gotteserkenntnis). Ebenso lehren die salomonischen Sprichwörter zuerst den jugendlichen Menschen (Spr 1,4.8.10) „de officiis per sententias“, in Kohelet den erwachsenen gewordenen (Koh 11,9) „ne quidquam in mundi rebus putet esse perpetuum, sed caduca et brevia universa quae cernimus“, bevor im Hohenlied der Gipfel dieses geistlich-sittlichen Weges erreicht wird: die Begegnung mit dem Bräutigam. Damit der letzte Schritt gelingen kann, ist für den Erwachsenen der mittlere, den Kohelet lehrt, der entscheidende: desillusioniert erkennen, was diese Welt gibt und was nicht und woher das wahre Glück kommt.

Die einstündige biblische Vorlesung zu M6 "Mensch und Schöpfung" wird zuerst den priesterschriftlichen Schöpfungsbericht Gen 1 auslegen, für den der Sabbat und der Gottesdienst im heiligen Zelt (Ex 39 - 40) das Ziel der Schöpfung sind. Im neutestamentlichen Teil wird dieselbe Bewegung von der Erschaffung der Welt bis zum Zelten Gottes in seiner Schöpfung in der Auslegung des Johannesprologs nachvollzogen. Gott erschafft die Welt um in ihr Wohnung zu nehmen (Schechinah).
Die Vorlesung wird zweistündig in der ersten Semesterhälfte gehalten (bis 13.12.)

Was die moderne Exegese den „Jakobszyklus“ nennt, heißt in der Bibel „Toledot Jizchaq“ (Familiengeschichte Isaaks: Gen 25,19-35,29). „Zwei Knaben von entgegengesetztem Sinne balgen sich schon unter dem Herzen der Mutter. Sie treten ans Licht: der ältere lebhaft und mächtig, der jüngere zart und klug; jener wird des Vaters, dieser der Mutter Liebling. Der Streit um den Vorrang, der schon bei der Geburt beginnt, setzt sich immer fort. Esau ist ruhig und gleichgültig über die Erstgeburt, die ihm das Schicksal zugeteilt, Jakob vergisst nicht, dass ihn sein Bruder zurückgedrängt. Aufmerksam auf jede Gelegenheit, den erwünschten Vorteil zu gewinnen, handelt er seinem Bruder das Recht der Erstgeburt ab und bevorteilt ihn um des Vaters Segen. Esau ergrimmt und schwört dem Bruder den Tod. Jakob entflieht, um in dem Lande seiner Vorfahren sein Glück zu versuchen. … Auch in diesem Glauben tritt Jakob seinen Zug an, und wenn er durch List und Betrug unsere Neigung nicht erworben hat, so gewinnt er sie durch die dauernde und unverbrüchliche Liebe zu Rahel, um die er selbst aus dem Stegreife wirbt. … er sollte viele Söhne um sich sehen, aber auch durch sie und ihre Mütter manches Herzeleid erleben“ (Goethe, Dichtung und Wahrheit IV). Ziel der Vorlesung ist es, die Erzählungen von Jakob-Israel nicht nur als Perle der Weltliteratur, sondern auch als Offenbarungszeugnis sprachlich, literarisch und theologisch zu analysieren, um mit ihnen nachzuvollziehen, wie in Liebe und Eifersucht, Verliebtheit und Hass, Idealismus und Verschlagenheit Gott sich mitteilt und im souveränen Zusammenspiel mit der menschlichen Freiheit (und ihren allzu häufigen Ausrutschern, ja Entgleisungen) alles zu dem von Ihm gewollten Ende führt.