Heute sind die Erwerbstätigen zumeist als mitdenkende Personen gefragt, die eigenständig auf – vielfach ja auch unerwartete – Anforderungen reagieren sollen; das gilt zunehmend auch bei einfacheren Jobs. Viele ArbeitnehmerInnen müssen darüber hinaus auch Mitplanende sein. Man stellt ihnen Aufgaben, aber darüber, wie sie diese erfüllen, können und sollen sie selbst entscheiden. Für diese Entwicklung steht der Begriff „Subjektivierung“ der Arbeit. Mit dieser Subjektivierung verbunden ist bei nicht wenigen Erwerbstätigen eine Flexibilisierung ihrer Arbeitszeit und – durch die Informations- und Kommunikaionstechnologie (IKT) – zunehmend auch ihres Arbeitsortes. Sich im privaten Bereich den Ansprüchen der Erwerbsarbeit zu entziehen, fällt immer schwerer.
Mit diesem Flexibiliserungstrend und mit der steigenden Erwerbspartizipation der Frauen, der keine im gleiche Maße zunehmende Partizipation der Männer an der unentgeltlichen Arbeit gegenübersteht, wird die Frage immer brisanter, wie Sorgearbeit gerecht und für alle Betroffenen gut organisiert werden kann.
Unter diesen Bedingungen scheint nun eine neuerliche Welle der Digitalisierung der Unternehmen an Fahrt zu gewinnen. Wird Erwerbsarbeit damit nun überflüssig oder allein zu einer Aufgabe (und Chance) weniger Hochqualifizierter? Muss nicht jetzt endlich ein Bedingungslosen Grundeinkommen eingeführt werden? Oder wird mit den neuen IKT in Zukunft überall und zu jeder Zeit gearbeitet werden? Tritt mit der Plattformökonomie die(prekäre) Selbständigkeit an die Stelle des Arbeitnehmerstatus? Wie kann verhindert werden, dass von den Effizienzgewinnen der neuen Technologien nur einige wenige profitieren?
In dem Hauptseminar geht es um die Analyse dieser Entwicklungem, ihre Bewertung aus einer christlich-sozialethischen Sicht und um Reformoptionen für eine Arbeitswelt im Wandel.

Die TeilnehmerInnen stellen sich wechselseitig neuere Beiträge zur vergleichenden Sozialstaatsforschung vor. Im Fokus steht die Forschung zu den leitenden Wert- und Normvorstellungen der für die jeweilige Sozialstaatsentwicklung einflussreichen gesellschaftlichen Gruppen bzw. Organisationen.
Auf diese Weise entsteht ein Bild des aktuellen Forschungsstandes in diesem Bereich - und zugleich eine Grundlage für Diskussionen im Kreis der KolloquiumsteilnehmerInnen.

Ohne die Sozialverkündigung u.a. der Päpste gäbe es vermutlich nicht neben der Moraltheologie ein eigenes Fach "Gesellschafts-" bzw. "Sozialethik". Aber, ist es nicht überraschend, dass sich Päspte vergleichsweise detailliert zu Fragen der Wirtschaftsordnung, des Sozialstaats und der ökologischen Transformation äußern? Was hat die Überwindung von Elend und Armut weltweit, was hat die Frage, ob in einer Gesellschaft alle, eine große Mehrheit oder nur eine kleine Minderheit im Wohlstand leben kann und was hat die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen in den Ländern des Nordens mit dem Glauben zu tun?
Die Vorlesung gibt eine Einführung in die Tradition der kirchlichen Sozialverkündigung und in die wirtschaftsethische Debatte, die seit über dreißig Jahren auch außerhalb der Theologie intensiv geführt wird.

Das Proseminar dient der Einführung in beide theologisch-ethischen Fächer, in die Moraltheologie und die Christlichen Gesellschaftsethik. Am Beispiel der Umweltethik werden die individual- und die sozialethische Perspektive verdeutlicht und deren wechselseitige Bezogenheit herausgearbeitet. Behandelt werden zudem wichtige Strömungen der philosophischen Ethik (Utilitarismus, rechte-basierte Ethik, aristotelisch-thomistische Ethik) sowie Reflexionen zum Spezifikum christlicher Ethik.
Jede Seminarsitzung wird von allen TeilnehmerInnen durch die Lektüre eines Basistextes vorbereitet. Darüber hinaus übernimmt jede(r) TeilnehmerIn bei einer der Seminarsitzungen ein Referat, dessen Thema sich auch als Gegenstand der verpflichtenden Seminararbeit eignet.

Das Kolloquium "Aktuelle Themen der Christlichen Gesellschaftsethik" (wieder gemeinsam mit Prof. Dr. Christof Mandry, Goethe-Universität) ist in diesem Semester der Lektüre des französischen Demokratietheoretikers und -historikers Pierre Rosanvallon gewidmet, dessen Schriften aktuell in Deutschland lebhaft rezipiert werden. Bei den Treffen des Kolloquiums werden wir Auszüge seines Buchs „Die Gesellschaft der Gleichen“ (2011, dt. 2013), eines Beitrags zur aktuellen Gerechtigkeitsdebatte, sowie seines Buch „Die gute Regierung“ (2015, dt. 2016), einer Studie zur Krise und Zukunft der Demokratie, analysieren, einordnen und mit Blick auf Schlussfolgerungen für die Christliche Gesellschaftsethik diskutieren.
Wir werden uns an zwei Freitag-Vormittagen jeweils für vier Stunden (9.00 bis 13.00 Uhr)in Sankt Georgen treffen: 2.6. und 21.7.

Hat der christliche Glaube unter den Bedingungen einer modernen Gesellschaft eine politische Dimension? Worin besteht diese bzw. wie kann sie überzeugend auf den Punkt gebracht werden? Die Vorlesung bietet eine Einführung in nachkonziliare Politische Theologien. Dazu wird in jeder der sechs Doppelstunden ein Ansatz der Politischen Theologie vorgestellt. Vaticanum II/Theologie der Welt; Johann Baptist Metz; Befreiungstheologie; Feministische Theologie Elizabeth A. Johnsons; Thomas Ruster; Hajo Sander

Im Zentrum des Lektürekurses steht die Auseinandersetzung mit dem Buch „Die Rechte der Anderen“, in dem Seyla Benhabib Fragen des Rechtes auf Zugehörigkeit zu einem Staat aus der Perspektive einer kosmopolitischen Ethik beleuchtet. Die Lektüre dieses philosophisch-ethischen Buchs wird ergänzt durch Rückfragen nach der aktuellen "Flüchtlingskrise" und nach Konvergenzen zwischen der Benhabibschen Ethik und theologischen Positionen.

Die Geldwirtschaft ist als Positivsummenspiel angelegt: Auf Märkten nutzen Verkäufer und Käufer Chancen, sich durch Herausgabe und Erwerb von Gütern besser zu stellen. Unternehmen sind Organisationen der Wertschöpfung durch Kooperation. Im Schaffen von Werten ist die Geldwirtschaft also sehr effizient! Aber was bleibt dabei auf der Strecke? Welche Bedarfe bleiben ungedeckt? Wer hat zu wenig, um menschenwürdig zu leben? Wer begrenzt die Nutzung nicht regenierbarer Ressourcen? Wessen Leistungen werden (aus-)genutzt aber nicht entgolten?
Die Vorlesung führt in die Grundlagen und Methoden der Christlichen Gesellschaftsethik und hier vor allem der Wirtschaftsethik ein.